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Als die Pferde Diesel schluckten - Eine Zeitreise durch die Landtechnikgeschichte
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27.10.2009, 01:46
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.03.2010 18:31 von Cheeky.)
Beitrag #1
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Als die Pferde Diesel schluckten - Eine Zeitreise durch die Landtechnikgeschichte
Heutzutage sind Traktoren, Mähdrescher und allerlei landwirtschaftliche Maschinen nicht mehr aus dem bäuerlichen Leben wegzudenken.
Dabei ist es gerade einmal gut 150 Jahre her, dass in England John Fowler im Jahr 1856 seinen Dampfpflug patentieren lies. Dabei zogen zwei gewaltige Lokomobile (fahrbare Dampfmaschinen) einen an einem Seil befestigten Kipppflug abwechselnd von einem Feldrand zum anderen. Zuvor waren schon stationäre Dampfmaschinen und auch Lokomobile zum Antrieb von Dreschmaschinen , Getreidemühlen, Strohpressen und anderen landwirtschaftlichen Geräten eingesetzt worden. Allerdings konnten sich diese gewaltigen und sehr teuren Maschinen nur die wenigsten leisten, weshalb die Vielzahl an kleinen und mittleren Bauernhöfen weiterhin auf die Arbeitsleistung von Pferden, Ochsen und der menschlichen Arbeitskräfte angewiesen war. Die Situation änderte sich erst mit Erfindung des Verbrennungsmotors (1876, nach seinem Erfinder, Nikolaus August Otto, Ottomotor genannt) und des Kraftwagens (Gottlieb Daimler) sowie des Zweitakt-Glühkopfmotors der Engländer Hornsby und Akroyd (diese Glühkopfmotoren kamen später in den berühmten Lanz-Bulldogs zu weltweiter Verbreitung). Nicht zu vergessen ist natürlich auch Rudolf Diesel, der 1897 den Diesel-Motor entwickelte. Der erste Traktor, der den heutigen Entwicklungen zugrunde liegt, war wohl von der Firma Rumely, die als erste einen Verbrennungsmotor auf einen Dampfschlepper setzte. Die Bezeichnung Traktor wurde übrigens zum ersten mal im Jahr 1906 von der Firma Hart-Parr verwendet und hat sich bis heute als die am meisten verbreitete Bezeichnung für DAS Arbeitstier der Landwirtschaft gehalten. Das eigentliche Geburtsjahr des modernen Ackerschleppers dürfte aber das Jahr 1917 sein, als Henry Ford den ersten Fordson-Traktor vorstellte. In der Folge tauchte eine Vielzahl von Traktorenherstellern auf der Bildfläche auf, alleine in Deutschand (incl. DDR) wirkten in den letzen rund 100 Jahren weit mehr als 100 Hersteller. Durch den ersten und zweiten Weltkrieg sowie die zunehmende Konzentration des Marktes verschwanden fast alle kleinen, aber auch so manch großer und berühmter Hersteller (z. B. Hanomag, MAN, Lanz Mannheim...) vom Markt. Den größten Schub erfuhr die Technisierung der Landwirtschaft nach dem 2. Weltkrieg ab ca. 1948. Der Boom endete in den 1970er-Jahren. Erst mit Öffnung des Ostblocks setzte wieder eine Aufbruchstimmung im Landmaschinenbereich ein, da es galt, die riesigen Flächen im Osten mit modernsten Maschinen zu bewirtschaften. Mit den folgenden Beiträgen möchten wir Euch Meilensteine und die Geschichte der verschiedensten Landtechnikfirmen näher bringen. Freut Euch auf eine spannende und unterhaltsame Reise durch die Geschichte der Mechanisierung der Landwirtschaft unter dem Titel Als die Pferde Diesel schluckten
Kapitel 1 - Die Anfänge der Landwirtschaft Kapitel 2 - Vom Pferdegespann zum Dampfantrieb Kapitel 3 - Die Motorisierung der Landwirtschaft: Der Aufschwung der Ackerschlepper Kapitel 4 - Die Motorisierung der Landwirtschaft: Schwierige Zeiten während der Weltwirtschaftskrise und des 2. Weltkrieges Kapitel 5 - Die Motorisierung der Landwirtschaft: Der Boom der Landtechnik Kapitel 6 - Fressen und gefressen werden Kapitel 7 - Die moderne Landtechnik Kapitel 8 - Bessere Zukunft? Viele Grüße
Frank (Cheeky) Besucht auch unser Landmaschinenlexikon im Hobby & Wissensforum |
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02.11.2009, 01:04
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.11.2009 01:13 von Cheeky.)
Beitrag #2
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Als die Pferde Diesel schluckten - Kapitel 1
Kapitel 1 - Die Anfänge der Landwirtschaft
Die Geschichte der Landwirtschaft begann vor rund 12.000 Jahren, in der sogenannten Jungsteinzeit (Neolithikum). Die Landwirtschaft war der Auslöser dafür, dass sich die frühen Menschen von Jägern und Sammlern (Nomadentum) hin zu sesshaften Stämmen entwickelten, die sich auch mit Viehzucht und Ackerbau beschäftigten. Die Bodenbearbeitung zur damaligen Zeit war eine mühselige Handarbeit, die mit Steinäxten und ähnlichem "primitiven" Werkzeug wie Grabstock oder Hacke erledigt wurde. Mit der Zeit wurden auch Astgabeln als einfache Pflüge verwendet, die zunächst noch mit der Hand über den Acker gezogen wurden. Die ersten Pflüge existierten in Europa vor ca. 5.500 Jahren. Das waren meist von Menschen gezogene Hakenpflüge aus Holz. Diese bestanden in der Regel aus einem zugespitzten Holzstück, dass durch den Boden gezogen wurde und dadurch den Boden aufriss. Schare und Streichbleche waren damals (natürlich) noch unbekannt. Diese Pflüge wurden in Europa bis ins späte Mittelalter verwendet. Im Laufe der Zeit wurden für diese Arbeit auch Ochsen und - viel später- Esel und Pferde verwendet. Im vierten Jahrhundert nach Christus tauchten in Europa zum ersten mal Pflüge mit eisernen Scharen auf. Diese wurden bereits im dritten Jahrhundert in China erfunden. Die Chinesen hatten zu dieser Zeit schon eiserne Pflugscharen, mit denen auch die Pflügtiefe variabel eingestellt werden konnte. Während die Chinesen bereits zu dieser Zeit auch Streichbleche aus Eisenblech kannten, was das Wenden des Erdreichs erheblich vereinfachte, nutzten die Europäer bis ins 18. Jahrhundert noch Streichbretter aus Holz. Der Nutzen der metallenen Streichbleche im Vergleich zum Streichbrett ist schnell dargestellt: Brauchten die Chinesen für ein Pfluggespann in der Regel 1-2 Ochsen, benötigten die Europäer für das selbe Arbeitsergebnis 6-8 Zugtiere! Erst als die Niederländer von ihren Chinareisen die ersten Eisenpflüge mitbrachten, begann man auch in Europa, die Pflüge zu überarbeiten. Ein Pionier auf diesem Gebiet war James Small (ca. 1730-1793), dessen Pflüge sich in England und Schottland rund 150 Jahre lang behaupteten. Den ersten selbstreinigenden Stahlpflug erfand ein gewisser Herr John Deere in Amerika im Jahr 1837. John Deere war ein einfacher Schmied. Nach dieser Erfindung begründete er das Unternehmen Deere & Company, aus der sich der heute größte Landmaschinenhersteller der Welt entwickelte. Die hier geschilderte Entwicklung des Pfluges ist nur beispielhaft für die Entstehung der Landwirtschaftstechnik. Ähnliche Entwicklungen, allerdings in ganz anderem zeitlichen Rahmen gab es auch bei der Erntetechnik (bis hin zu dampfbetriebenen Dreschmaschinen, Mähbindern, Balkenmäher und so weiter), bei der Aussaat und der Futtergewinnung. Es würde diesen Rahmen sprengen, auf alle Errungenschaften der Menschheit im Landtechniksektor einzugehen. Die eigentliche Technisierung der Landwirtschaft begann erst Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts. Doch dazu mehr im Zweiten Kapitel. Viele Grüße
Frank (Cheeky) Besucht auch unser Landmaschinenlexikon im Hobby & Wissensforum |
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04.11.2009, 01:14
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.11.2009 01:22 von Cheeky.)
Beitrag #3
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Kapitel 2 - Vom Ochsengespann zum Dampfantrieb
Nach der rein manuellen Bearbeitung der Böden in der Frühzeit, setzten sich immer mehr die Ochsen-, Esel- und Pferdegespanne durch, die die Arbeit auf dem Acker und dem Feld effizienter und einfacher gestalteten. So entwickelten sich aus dem ersten hölzernen Hakenpflug mitunter dreischarige Eisenpflüge, die von teilweise bis zu vier Ochsen/Pferde gezogen wurden.
Wurden Gras und Getreide bis Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts oftmals noch per Handsichel bzw. Sense geschnitten, konnten diese Arbeiten im Laufe der Zeit schon mit von Gespannen gezogenen Maschinen erledigt werden, allerdings nur von Bauern, die sich die Maschinen und die Zugtiere leisten konnten. Bemerkenswerterweise existiert aber bereits von Plinius dem Älteren (ca. 23-79 nach Christus) - einem römischen Schreiber - ein Bericht, wonach in Gallien ein Gerät zum Schneiden von Getreide im Einsatz wäre. Dabei sollte es sich um einen von einem Esel geschobenen (!) zweirädrigen Kasten handeln, der vorne offen war und auf Höhe der Ähren eine Zahnreihe besaß, die beim Fahren über das Feld die Ähren vom Halm rupfte und im Kasten sammelte. Die erste Mähmaschine zur Ernte von Getreide entwickelte ein schottischer Pfarrer namens Patrick Bell im Jahr 1826. Diese, bereits mit einer Haspel ausgestattete Maschine, schnitt das Getreide wie eine Schere ab. Eine deutliche Verbesserung stellte dann der berühmte "Virginia Reaper" von Cyrus McCormick aus dem Jahr 1831 dar, welcher schon Sägemesser zum Schneiden des Getreides besaß. Die Mähwerke entwickelten sich im Laufe der Zeit weiter und die Technik wurde insofern verbessert, dass durch die Erfindung der Dreiecksklingen bald auch Gras gemäht werden konnte. Aber auch andere Maschinen entwickelten sich unter den neuen Möglichkeiten, die die Gespann-Bearbeitung bot: - Eggen - Grubber - Mistkarren. - Gabelheuwender - Heurechen - Kartoffelroder und einige andere. Dagegen war das Dreschen des Getreides bis Ende des 18. Jahrhunderts und in der Regel auch noch lange darüber hinaus reine Handarbeit. Nachdem das Getreide auf dem Feld mit der Sense geschnitten und zu Garben gebunden wurde, wurde es über den Winter auf dem Getreideboden des Bauernhofes mit Hilfe von Dreschflegeln gedroschen. Dabei schlugen zwei bis vier, teilweise auch sechs Arbeitskräfte mit den Flegeln - das sind lange Stangen, an denen mit einer Kette oder einem Seil eine weitere, kurze bewegliche Stange befestigt war, das Korn aus den Ähren. Oftmals waren die Bauern mit dieser mühseligen Arbeit den gesamten Winter beschäftigt. Danach mussten, ebenfalls in mühsamer Handarbeit, die Körner von der Spreu getrennt werden, was teilweise mit Sieben oder durch Ausblasen (z. B. Blasebalge oder auch primitiv durch Wedeln mit Tüchern) erfolgte. Eine wesentliche Erleichterung war da die Erfindung der ersten Dreschmaschine durch Andrew Meikle im Jahr 1786. Eine weiterer Verbesserung gelang im Jahr 1834, als die amerikanischen Brüder Pitt eine Dreschmaschine erfanden, die gleichzeitig auch die Reinigung des Korns von der Spreu erledigte. Diese Maschinen mussten alle mittels manuellem Drehen an Kurbeln betrieben werden. Die Erfindung der Dampfmaschine 1712 durch Thomas Newcomen (nicht, wie oftmals behauptet durch James Watt) leitete die Ära der Kraftmaschinen ein. Die Dampfmaschinen wurden stetig verbessert, unter anderem und am nachhaltigsten 1769 durch James Watt. Ab 1811 wurden, wie so oft zuerst in England, Lokomobile (fahrbare Dampfmaschinen) eingesetzt, um landwirtschaftliche Geräte wie Dreschmaschinen, Getreidemühlen und Strohpressen anzutreiben. Allerdings blieben diese Lokomobile zumeist großen und vor allem reichen Bauernhöfen vorbehalten, da sie, im Gegensatz zur menschlichen bzw. tierischen Arbeitskraft sehr teuer in der Anschaffung und dem Betrieb waren. 1856 entwickelte John Fowler den Dampfpflug. Hierbei handelte es sich um einen Kipppflug, der von zwei gewaltigen Lokomobilen von einem Feldrand zum anderen gezogen wurde. Die Ära der Dampfmaschinen in der Landwirtschaft endete jedoch bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Grund dafür war eine Erfindung, die die Welt nachhaltiger veränderte, als die Dampfmaschinen es je hätten können: Im Jahr 1876 erfand Nikolaus A. Otto einen Verbrennungsmotor (Ottomotor), der eine im Gegensatz zu den Dampfmaschinen deutlich kompaktere Bauweise zulies und zudem mit flüssigem Kraftstoff (meist Benzin oder Petroleum) betrieben wurde. Der flüssige Kraftstoff war deutlich einfacher zu transportieren, während die Dampfmaschinen Unmengen von Wasser und Holz bzw. Kohle verbrauchten, welche auch erstmal herangeschafft werden mussten. Viele Grüße
Frank (Cheeky) Besucht auch unser Landmaschinenlexikon im Hobby & Wissensforum |
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13.12.2009, 01:49
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.05.2010 21:27 von Cheeky.)
Beitrag #4
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RE: Als die Pferde Diesel schluckten - Eine Zeitreise durch die Landtechnikgeschichte
Kapitel 3 - Die Motorisierung der Landwirtschaft: Der Aufschwung der Ackerschlepper
Nach der Ära der Dampfmaschinen begann in der Landwirtschaft aufgrund der Erfindung des Viertakt-Verbrennungsmotors durch Nikolaus Otto (1876) und nahezu zeitgleich durch Gottlieb Daimler ein wahrer Boom an Neuentwicklungen. Während in der Anfangszeit des Motorenbaus die damals (und heute wieder) sehr teuren Kraftstoffe Benzin und Petroleum verwendet wurden, konnte eine Erfindung zweier Engländer namens Hornspy und Akroyd einen deutlich günstigeren Einstieg in die Motorisierung der Landmaschinen ermöglichen: Im Jahre 1890 erfanden diese zwei Herren den Zweitakt-Glühkopfmotor, der durch die Lanz-Bulldogs weltweit berühmt und erfolgreich wurde. Der Glühkopfmotor war in der Lage, das deutlich günstigere Schweröl als Treibstoff zu verbrennen. Wo wir gerade bei den Treibstoffarten sind, darf ich einen Erfinder nicht vergessen, dessen Erfindung noch heute nahezu alle motorisierten Landwirtschaftsgeräte antreibt: Rudolf Diesel erfand im Jahr 1897 den nach ihm benannten Dieselmotor. Als Antrieb der Motorisierung der Landwirtschaft gilt zweifelsohne die Bevölkerungsexplosion und die Landflucht im Zuge der Industrialisierung. Immer mehr Menschen mußten durch die Bauern versorgt werden. Jedoch zogen immer mehr Landarbeiter in die Städte und arbeiteten in der Industrie, so dass den Bauern immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Daher mussten Maschinen die verloren gegangene Arbeitskraft der Knechte und Mägde ersetzen und die Arbeit auf dem Acker und dem Feld rationeller erledigt werden. Im Jahr 1889 setzten die Ingenieure der Firma Rumely in Amerika kurzerhand einen Verbrennungsmotor auf das Fahrgestell eines Dampfschleppers. Dies war quasi die Geburtsstunde des modernen Ackerschleppers. Nun schoß eine Vielzahl an Unternehmen weltweit aus dem Boden, um diese Ackerschlepper zu produzieren und weiterzuentwickeln. Der Landmaschinenmarkt war derart riesig und aufnahmefähig, dass tatsächlich hunderte von Firmen in dieser Zeit einen guten bis sehr guten Umsatz in diesem Bereich erzielten. Die Firma Hart-Parr verwendete im Jahr 1906 als erste den Begriff "Traktor" für den Ackerschlepper. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wurde eine Vielzahl von solchen Traktoren gebaut, die als Vorläufer des heutigen Traktors zählen können. Aber der tatsächliche Urahn der heutigen Traktoren, dessen Grundsätze noch heute im Traktorenbau Anwendung finden, war eindeutig Henry Fords berühmter Fordson-Traktor, ein Traktor mit Vergasermotor und drei Vorwärts- sowie einem Rückwärtsgang. Das Erscheinen dieses Traktors im Jahre 1917 löste einen wahren Schub in der Versorgung der Höfe mit Traktoren aus. Durch seine Fließbandfertigung konnte der Fordson vergleichsweise billig produziert und dementsprechend günstig verkauft werden. So waren nun erheblich mehr landwirtschaftliche Betriebe in der Lage, ihren Hof mit einem Universalgerät auszustatten, dass sowohl als Selbstfahrer für die Acker- und Feldarbeit aber auch als Stationärmotor über seine Riemenscheibe für andere Maschinen zur Verfügung stand. Hier ein Fordson F, wie er ab 1917 gebaut wurde Nur wenig später, im Jahr 1921, stellte die Firma Heinrich Lanz aus Mannheim auf der DLG-Landwirtschaftsausstellung in Leipzig seinen Rohölschlepper Lanz Typ HL vor, den ersten der berühmten Lanz-Bulldogs. Dies war der erste Glühkopfmotor-Schlepper der Welt. Der Glühkopfmotor wurde in den rund 40 Jahren, in denen er sich in der Produktion befand, stetig verbessert. ![]() Hier ein Lanz Typ HL von 1928 Die ersten Traktoren, die zunächst meist mit Benzin betrieben wurden (außer natürlich die Glühkopfmotoren), dienten hauptsächlich zum Pflügen und als Antriebsaggregat für die unterschiedlichen Geräte auf den Höfen, die mittels Riemenscheibe angetrieben wurden. Während sich in Europa schon kurze Zeit später der Dieselmotor als Antriebsaggregat durchsetzte, setzte man in Amerika noch längere Zeit auf den Benzinmotor. Bis zum zweiten Weltkrieg befassten sich viele Firmen mit dem Traktorenbau. Die wichtigsten in dieser Zeit waren unter anderem: - Fordson (Henry Ford & Son) - Heinrich Lanz AG Mannheim - Hanomag (Hannoversche Maschinenbau AG) - International Harvester, McCormick-Deering, Farmall - Advance-Rumely - Hart-Parr - John Deere - Case - Minneapolis - Deutz - Fahr - Fendt - Güldner - Kramer - Normag - Schlüter - Renault - Landini - Massey-Harris - Allis-Chalmers Bis Kriegsbeginn 1939 und teilweise auch darüber hinaus, wuchs der Traktorenabsatz Jahr für Jahr. Dennoch blieb die ein oder andere Firma auf der Strecke, während andernorts wiederum neue Hersteller die Bühne betraten. Erst im Krieg begann der Markt der Traktorenkäufer sich zu verkleinern, wobei aber einige politische Entscheidungen diese Entwicklung abfederten. Dazu aber mehr im nächsten Kapitel Viele Grüße
Frank (Cheeky) Besucht auch unser Landmaschinenlexikon im Hobby & Wissensforum |
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20.03.2010, 19:28
Beitrag #5
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Als die Pferde Diesel schluckten - Eine Zeitreise durch die Landtechnikgeschichte
Kapitel 4 - Die Motorisierung der Landwirtschaft: Schwierige Zeiten während der Weltwirtschaftskrise und des 2. Weltkrieges
Im Jahre 1929 begann, von den USA ausgehend, die große Weltwirtschaftskrise, die bis weit in die 1930er Jahre zu einem massiven Einbruch der Wirtschaft führte, gefolgt von Massenarbeitslosigkeit und einer gallopierenden Inflation. Gerade die Überproduktion in der Industrie, auch der Landmaschinenindustrie, führte zu einem sehr großen Angebotsüberschuß. Die Bauern konnten gar nicht so schnell die neuesten Entwicklungen und technischen Fortschritte auf ihren Höfen einsetzen, wie diese auf den Markt geworfen wurden. Unzählige Firmen betätigten sich mittlerweile im Landmaschinensektor, einige sehr erfolgreich, die meisten jedoch mit Ach und Krach. So kam es, dass sich viele Landmaschinenhersteller aus dem Geschäft zurückzogen, manche freiwillig, andere gingen konkurs. Es kam zu einigen Fusionen und Übernahmen, einhergehend mit einer Bereinigung des Angebots und leider auch einer riesigen Zahl an arbeitslos gewordenen Landmaschinentechnikern. Dennoch konnte die Weiterentwicklung der Landwirtschaftstechnik dadurch allenfalls verlangsamt, aber nicht verhindert werden. Viele große Bauernhöfe konnten sich aufgrund der Krise keine große Zahl an Arbeitskräften mehr leisten, so dass paradoxerweise gerade dies dazu führte, dass die Landmaschinen, allen voran die Traktoren, immer leistungsfähiger und vielseitiger wurden. Dies hielt die ganze Branche in Schwung, auch wenn der Absatz von Traktoren in den Krisenjahren teilweise gerade mal noch 20.000 Stück weltweit betrug. Ein großer Profiteur der Krise war eindeutig der Dieselmotor. Aufgrund des allernortes angesagten Sparzwanges konnte er nun seine spritsparende Technologie voll zum Einsatz bringen und setzte sich entgültig als die Antriebsart für Ackerschlepper und andere Zugmaschinen durch. 1933, die Krise begann bereits langsam abzuflauen, gab es in Amerika gerade noch neun große Schlepperhersteller. Weltweit verschwanden Landtechnikmarken vom Markt oder verbanden sich mit Konkurrenten zu neuen Anbietern. Dennoch wurden in diesen schweren Zeiten wegweisende und gravierende Fortschritte in der Landtechnik erzielt. Als Beispiele sollen hier mal die Erfindung der Zapfwelle und die Einführung von Luftreifen für Ackerschlepper genannt sein. Während der vergangenen Jahrzehnte war bei der Motorisierung der Landwirtschaft das Hauptaugenmerk vor allem auf große und leistungsfähige Zugmaschinen mit großen Flächenleistungen gelegt worden. Dies führte dazu, dass hauptsächlich große mit sehr große Bauernhöfe, meist Güter, mit neuer Landtechnik ausgestattet wurden. Das Gros der Bauern, nämlich die Klein- und Nebenerwerbslandwirte hatten von der technischen Entwicklung rein gar nicht profitiert und arbeiteten vielerorts noch immer mit Ochsen- oder Pferdegespannen. Durch den Aufschwung des Dieselmotors, der zum einen eine kleinere Motorgröße und zum anderen geringere Betriebskosten aufzuweisen hatte, ging der Trend ab ca. 1936 zum Kleinschlepper, mit dem gerade diese Kleinbauern ihren Hof motorisieren konnten. Aber auch viele Großbauern benötigten einen Zweit- oder Hofschlepper als Ergänzung zu den Großschleppern. In Deutschland wurde von den regierenden Nationalsozialisten der Kleinschlepperbau massiv vorangetrieben, da es deren erklärtes Ziel war, die deutsche Bevölkerung unabhängig von anderen Ländern zu ernähren. So erfuhr der Schlepperbau weltweit, aber vor allem im Dritten Reich einen nie dagewesenen Aufschwung. Viele Bauern kamen günstig in den Genuß eines sogenannten Bauernschleppers. Die Bauernschlepper waren in der Regel Einheitsschlepper im Bereich um 20 PS. Allerdings wurde dieser Aufschwung mit Beginn des 2. Weltkrieges 1939 jäh unterbrochen. Durch die kriegsbedingte Verknappung vieler Rohstoffe, wurden die Schlepper unter anderem immer häufiger wieder mit Eisenräder ausgeliefert. Nachdem auch der Kraftstoff immer knapper wurde, die Armee benötigte den Diesel für seine LKWs und Panzer, wurde von der Reichsregierung ab 1942 ein Baustopp für alle Dieselschlepper verfügt. Als Ersatz bauten die Traktorenhersteller Einheits-Holzgasschlepper. Bei Holzgasschleppern dienten Holz, Torf oder Kohle als Treibstoff. Die Holzgasgeneratoren waren klobige Kästen, die dem Design der Traktoren sehr abträglich waren. Nun, die Bauern störten sich damals wohl wenig am Design, aber durch die unförmige Motorhaube war die Sicht nach vorn deutlich eingeschränkt. Ausserhalb Deutschlands ging die Entwicklung dennoch weiter. Der Ire Harry Ferguson erfand Mitte der 1930er Jahre die Dreipunkt-Geräteaufhängung 1939 einigte sich Ferguson mit Henry Ford auf die Großfertigung eines neuen Kleintraktors in grauer Farbe. Dieser berühmte Ford N9 (manchmal auch Ford-Ferguson genannt) war vor allem in der Nachkriegszeit mit insgesamt 306.000 verkauften Einheiten überaus erfolgreich. Der Umsatz in der Landtechnikbranche war gekennzeichnet von Höhen und Tiefen. Die Höhen waren dem Umstand geschuldet, dass durch die von den Nazis angeordnete Motorisierung der Kleinbetriebe die Kleinschlepper zum neuen Standard wurden. Zudem mussten immer mehr Betriebe ihre Knechte durch Maschinen ersetzen, da die Knechte im Schützengraben ihren Dienst taten. So war es dann auch erforderlich, dass die Frauen und Alten die Höfe alleine bewirtschaften mussten, um das Überleben zu sichernl. Durch die Technisierung ging dies nun leichter von Hand, ohne aber über die schmerzlichen Verluste der Männer hinwegtrösten zu können. Auch in den Landtechnikfabriken arbeiteten nun hauptsächlcih Frauen an den Montagebänder. Die Tiefen kamen vor allem wegen der Rohstoffknappheit und der zunehmenden Verelendung der Zivilbevölkerung in Europa. Am Ende des zweiten Weltkrieges lagen weite Teile Europas, vor allem aber die einstmals großen und mächtigen deutschen Industriebetriebe in Schutt und Asche. Die Deutschen hatten nicht nur einen Krieg verloren, den sie selbst angzettelt hatten, sondern auch ihre ganzen Technologieschmieden zertrümmert. Was die Bomben der Alliierten nicht zerstörten, wurde von den Siegermächten demontiert und in deren Heimat transportiert. Im nächsten Kapitel geht es um die Wiedererstarkung der Landtechnikindustrie. Viele Grüße
Frank (Cheeky) Besucht auch unser Landmaschinenlexikon im Hobby & Wissensforum |
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![[Bild: Lanz_Bulldog_1928.jpg]](http://de.academic.ru/pictures/dewiki/76/Lanz_Bulldog_1928.jpg)